Revolution Is a Dinner Party
Kexin Hao
Pickle Bar, Stephanstrasse 11, 10559 Berlin-Moabit
„Revolution Is a Dinner Party“ der Künstlerin Kexin Hao wurde für die Pickle Bar adaptiert – eine Handpuppenvorstellung, die Gesang und Sprechgesang verbindet und Mao Zedongs Satz „Revolution ist keine Dinnerparty“ neu interpretiert als Einladung, über Essen, Schädlinge und Verwandtschaft nachzudenken. Das Stück inszeniert einen Dialog im Jenseits zwischen einem Spatz und einer Ratte – beide als Handpuppen an den Händen der Darstellerin. Ausgehend von Maos „Spatzenvernichtungskampagne“ und dem französischen „Großen Rattenmassaker von Hanoi“ debattieren die beiden über Klassenkonflikte und historische Ungerechtigkeiten und zeigen, wie Menschen und Ungeziefer in politischer Gewalt und kolonialen Hygienemaßnahmen verstrickt sind.
Ihr Konflikt wird von einer Silberfischchen-Gottheit unterbrochen – verkörpert durch den Kopf und den Oberkörper der Darstellerin –, die offenbart, dass alle drei Figuren Teile eines einzigen Körpers sind: der Spatz als Mund der Welt, der sich von Samen ernährt; die Ratte als Darm, der den Abfall der Stadt verdaut. Sie führt sie nicht in den Himmel, sondern zu einer Dinnerparty und interpretiert die Revolution neu als einen Akt des Essens, bei dem die Grenzen zwischen Selbst und Anderen verschwinden und sich Körper durch Nahrung, Abfall und Verfall in die Welt ausdehnen.
Die Performance spielt in einem Puppentheater, in dem Eingeweide, Blumen, Münder, Abwasserkanäle und Geschlechtsorgane miteinander verflochten sind – was die poröse, widerspenstige Natur von Körpern heraufbeschwört und das Thema der Intimität zwischen den Arten widerspiegelt.
Pickle Bar
Die Pickle Bar widmet sich einer ungewöhnlichen Form der Wissensproduktion – einer, in der Gastfreundschaft und Diskurs untrennbar miteinander verbunden sind. Der gemeinnützige Kunstraum in Moabit, Berlin, wurde von der künstlerischen Leiterin Anastasia Marukhina und dem Künstlerkollektiv Slavs and Tatars gemeinsam gegründet und legt den Schwerpunkt auf performative und diskursive Formate. Thematische Programme laden dazu ein, den Bereich zwischen Gaumen und Zunge zu erforschen und zu beleben, wobei sie Sprechkunst, Poesie und Politik miteinander verbinden und die Grenzen von Ideologien sowie die Ränder von Glaubenssystemen in oft übersehenen Forschungsbereichen mit Schwerpunkt auf der Region Eurasien erkunden.
Gegründet: 2020